Kontrolle und Nichtwissen Erleben

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Auf dem Management Innovation Camp und auf dem 33. Management 3.0 Stammtisch habe ich nach einer kurzen Einführung, das Thema „Kontrolle und Nichtwissen“ bzw. „Komplexität und Nichtwissen“ durch verschiedene Spiele erlebbar gemacht. Anschließend wurde dann über das Erlebte gemeinsam reflektiert. Lesen Sie die inhaltliche Zusammenfassung beider Veranstaltungen:

 

EINFÜHRUNG:

Unser Nichtwissen ist immer größer als unser Wissen. Es gibt verschiedene Grade von Nichtwissen. Zum einen kann jemand anderes etwas Wissen, das ich selbst nicht weiß (lösbares Nichtwissen). Zum anderen weiß keiner, was in der Zukunft passieren wird (Nichtwissen). Wir werden immer wieder von Situationen und Entwicklungen überrascht, mit denen wir vorab nicht gerechnet haben. Im Vergleich zum vorhandenen Wissen und dem unendlichen Nichtwissen über die Zukunft,  ist das Wissen einer Person verschwindend klein. Und trotzdem schaffen wir es irgendwie, uns selbst das Gefühl zu geben, dass wir uns selbst unter „Kontrolle“ haben.

Kontrolle und damit Sicherheit ist ein Grundbedürfnis, das wir Menschen haben. Je nachdem, in welcher Situation wir uns befinden, gibt es unterschiedliche Strategien, um das Gefühl entstehen zu lassen, etwas unter Kontrolle zu haben.

 

ICH – Ich habe mich selbst unter Kontrolle

1. Spiel: Alleine Tanzen
2. Spiel: Zu zweit Tanzen

Jeder hatte sich auf seine Art zur der Musik von Ed Sheeran bewegt. Keiner hat sich gleich bewegt. Nach der Aufforderung, zu zweit zu Tanzen, reduzierte sich das Gefühl die Situation unter Kontrolle zu haben. Die wenigsten Versuchten gemeinsam zu tanzen.

TAKE AWAY:
So wie jeder die gleiche Musik anders empfindet, so sieht und erfährt jeder auch die Welt nur in seiner persönlichen Färbung.

 

UMFELD – Durch Vereinbarungen können gemeinsame Erwartungen aufgebaut werden. => es entsteht ein Gefühl der Kontrolle

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3. Spiel: Zu zweit Tanzen mit Vereinbarung

Es wurde vereinbart, dass die größere Person die kleinere Person führen soll, indem beide Personen sich gegenseitig am Rücken des Partners anlehnen. Alle machten mit und es wurde als genussvoll empfunden.

TAKE AWAY:
Durch Regeln und Vereinbarungen wird die Interaktion mit unseren Mitmenschen kontrollierbarer.

 

4. Spiel: Fünf Freiwillige stellen jeweils einen Geschäftsführer dar, der die Regeln der Zusammenarbeit vorgab.

Die Regeln waren:
1. Ich bestimme
2. Wir stimmen ab
3. Wir konsensen
4. Wir konsenten
5. Delegation

Die wenigsten wollten bei dem Geschäftsführer „Ich bestimme“ arbeiten, die meisten bei „Wir konsenten“ und „Delegation“

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5. – 8. Spiel: Jeder Geschäftsführer bekam anfangs gleich viele Mitarbeiter und entwickelt mit seinen Regeln eine Businessstrategie. Die verschiedenen Businessstrategien traten gegenseitig auf dem Markt an.

Am Ende überlebten nur „Wir stimmen ab“ und „Wir konsensen“.

TAKE AWAY:

  • Wir können durch die bewusste Wahl unserer Kontakte/Umfeld/Firma die eigene Lebensqualität beeinflussen; denn diese ist stark abhängig davon, wie wir mit unseren Mitmenschen interagieren.
  • Gemeinsame Vereinbarungen mit dem Umfeld machen die Zusammenarbeit kontrollierbarer, geben aber keine Garantie für den Erfolg in der Umwelt (Markterfolg).

 

UMWELT – Durch das internalisieren von Umwelt in ein Unternehmen kann Nichtwissen genutzt werden.

Von den fünf Geschäftsführern sind drei mit ihrer Unternehmung bankrott gegangen, einer hat überlebt, einer war erfolgreich. Vorab war nicht erkennbar, welcher Geschäftsführer mit welchen Regeln und welcher Businessstrategie auf dem Markt erfolgreich sein wird. Doch der SECHSTE Geschäftsführer freut sich, dass er seinen Konzern ohne Mitarbeiterschwund, auf dem dynamischen und unvorhersehbaren Markt erfolgreich behaupten konnte.

 

Wer war der SECHSTE Geschäftsführer?

Beim SECHSTEN Geschäftsführer handelt es sich um die Konzernleitung, die Rahmenbedingungen für ein selbstlernendes System geschaffen hat. Dieser Konzern besteht aus den fünf oben genannten Geschäftseinheiten. Dabei musste der SECHSTE Geschäftsführer sich nicht vorab für eine der Geschäftseinheiten entscheiden, sondern er  schaffte Rahmenbedingungen, unter denen eine Vielfalt verschiedener entkoppelter Ansätze entstanden und überlässt die Entscheidung über den Erfolg dem Markt.

 

 TAKE AWAY für UMWELT in UMFELD verwandeln:

  • Mit den Menschen, mit denen wir keine gemeinsamen Vereinbarungen treffen, gehören zu unserer Umwelt.
  • Durch Kommunikation kann Umwelt in Umfeld verwandelt werden. So ist es möglich, unkontrollierbare Umwelt in Teilen durch gemeinsame Vereinbarung, in Umfeld zu verwandeln. Dadurch werden gemeinsame Erwartungen aufgebaut, die den Beteiligten das Gefühl von Kontrolle vermitteln. Die Anzahl der Personen, mit denen ich gemeinsame Vereinbarungen aufbaue, kann durch Techniken und Technologien erhöht werden.

 

TAKE AWAY für die KONTROLLIERTE NUTZUNG von NICHTWISSEN

  • Letztendlich kennt keiner die Zukunft. Nichtwissen begegnet uns in der Form von Überraschungen und Erwartungsenttäuschung. Was waren Ihre größten Überraschungen bzw. Erwartungsenttäuschungen?
  • Ist der Abbau der Erwartungsenttäuschung nicht mehr durch die Vergrößerung und bessere Nutzung des Umfeldes zu reduzieren, so ist der Einsatz selbstlernender Systeme mit evolutionärem Mechanismus sinnvoll:
    • Schaffung von kostengünstiger Vielfalt,
    • Selektion von der Umwelt und
    • Nutzung von Erfolg 
  • KOSTENGÜNSTIGE VIELFALT: Zum einen wird durch die geschickte Schaffung von Rahmenbedingung eine kostengünstige Vielfalt an sich selbst schaffenden Lösungen ermöglicht. (Die Unterstützung von den fünf Geschäftsführern mit ihren Regeln der Zusammenarbeit. Misserfolg einer oder mehrerer Geschäftsführer darf den Konzern als Ganzes nicht gefährden.) => KONTROLLE entsteht über das Managen des verkraftbaren Verlustes für die Gesamtunternehmung.
  • NUTZUNG VON ERFOLG: Zum anderen bedarf es eine Kopplung zum Systemerschaffer, damit willkommene Lösungen auch genutzt werden. (Am wirtschaftlichen Erfolg eines Geschäftsführers mit seiner Unternehmung ist der Konzern beteiligt.) => Nur durch passende Rahmenbedingungen (Strukturen und Prozesse), kann die NUTZUNG von Erfolg sichergestellt werden.  
  • SELEKTION DURCH DIE UMWELT: Nicht der Systemerschaffer, sondern die Umwelt entscheidet über den Erfolg der entstehenden Lösungsansätze. => Der Systemerschaffer braucht es NICHTzuWISSEN.

 

ZUSAMMENFASSUNG:

  • Das eigne Leben unter Kontrolle zu haben ist ein gesundes Bedürfnis. Durch den Aufbau von Erwartungen reduzieren wir die Komplexität unserer Lebenswelt.
  • Kommunikation ist die Voraussetzung, damit wir mit den Menschen in unserem Umfeld gemeinsame Vereinbarungen treffen können. Das Gefühl der Kontrolle steigt mit dem Aufbau von gemeinsamen Erwartungen. Mit Techniken und Technologien kann der Personenkreis, der zum Umfeld gehört vergrößert und besser genutzt werden.
  • Mit der Umwelt kann nichts vereinbart werden, doch kann durch den kontrollierten Einsatz zur Ermöglichung von unbekannten aber willkommenen Lösungen Nichtwissen genutzt werden.
  • Die Lösungsstrategien von „Nichtwissen und Kontrolle“ sind nicht auf Konzerne beschränkt, sondern werden auch von Personen in schwierigen Entscheidungssituation und kleinen bis mittlernen Firmen erfolgreich eingesetzt. Wann fangen Sie an Nichtwissen kontrolliert zu nutzen? 
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3 Dimensionen des Nichtwissens Arbeiten 4.0 Audi Augenhöhe Automatisierung Automobilindustrie Balance von Evolution und Menschlickeit BPI BPM BPMN 2.0 Buchzusammenfassung Change Daniel Juling das passieren? Dematerialisierung Digitalisierung Entscheidungsfindung Entscheidungstheorie Evolutionsorganisation Fredmund Malik Fritz B. Simon Gedankenexperiment IBM Impressum IT-Systeme als Rahmen Kehrseite von Wissen Komplexität Kontrolle Kontrolle 1. Ordnung Kontrolle 2. Ordnung Kontrolle 3. Ordnung Kontrolle 3.Ordnung Kundenbeispiel Kybernetik Macht Menschsein Modelle für den Umgang von Nichtwissen Navigieren Nein neue Denkweise Nichtwissen Nichtwissen-Management Nichtwissen-Raum Nichtwissen kontrolliert nutzen Nichtwissen nutzen Niklas Luhmann NWKN NWKN im Unternehmen Organisation Peter Wehling PM-Forum 2015 Praxis Projekt Projektmanagement Prozess prozessorientiert Psychische Kohärenzregelung Rede Schnelle Evolution Schnelle Evolution einer IT-Struktur Schnelle Evolution eines Unternehmens SE innerhalb einer IT-Struktur selbstlernende Systeme Selbstorganisation Soziologie des Nichtwissens Soziologie des wissenschaftlichen Nichtwissens TA-15 tatsachengesteuerte IT-Struktur tatsachengesteuerte Unternehmensführung Technik Theorie Thomas John Watson Transformation Transformatorischen Kohärenzregelung Vereinbaren Vereinbarung Vereinbarungs-Management Video Wandel Warum neu denken? Wer ist ich? Wertschöpfungskette Wie konnte Willkommenes Win-Win Wirtschaft Wissensmanagement Wissen über Nichtwissen Zukunftsvorhersagen