Unknown Futures – Limits of our Knowledge

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Frau Dr. Leena Ilmola-Sheppard ist erfrischend ehrlich. Auf der TA-15 Konferenz (Technikfolgen Abschätzung) in Wien am 01.06.2015 ist sie der erste Keynote Redner. Dr. Leena Ilmola-Sheppard ist Mitglied im “Future Committee of the Finnish Parliament” und die wissenschaftliche Leiterin vom Global-X-Network. Das Global-X-Network erforscht, wie man mit Unvorhersagbarem umgehen sollte.

Dr. Leena Ilmola-Sheppard zeigte sich etwas verärgert, da ihr bei der Herfahrt jemand einen Sitzplatz in der U-Bahn angeboten hat. Was für eine Überraschung, damit hatte sie wirklich nicht gerechnet! Genau so ehrlich erzählte sie über ihre Misserfolge als langjährige Beraterin in der strategischen Frühaufklärung (Foresight) – ich vermute, hauptsächlich in der Politik. Sie wirkte auf mich jugendlich, als sie kraftvoll das Wort “Bullshit” verwendet. Sie meinte, es wäre Bullshit, seine Entscheidung in der Gegenwart an einer ausgedachten Ziel-Zukunft zu orientieren, und führte Begründungen an:

Wir sind und bleiben Gefangene in unserer vergangenen Erfahrung. Aus der Vergangenheit heraus formulieren wir unsere Probleme und limitieren damit den Raum, in dem wir Antworten suchen. Die Welt ist so dynamisch und komplex geworden, dass wir immer wieder überrascht werden: Atomumfall in Fukushima, Arabischer Frühling, Börsenbewegungen, japanische Jugendliche kaufen überraschend weniger Autos, ...

Nokia ist innerhalb kürzester Zeit vom Marktführer zu einem einfachen Mitspieler abgesunken. Hätte jemand zu den Glanzzeiten von Nokia gesagt, dass Microsoft Nokia übernehmen würde, wäre er ausgelacht worden. Beim Vorhersehen von Neuem, Unerwartetem, von „Schwarzen Schwänen“ (Taleb) tun wir uns einfach schwer.

Sie empfiehlt bei der Suche nach „Schwarzen Schwänen“ nicht unser Bauchgefühl zu verwenden, sondern bewusst nach Herangehensweisen zu suchen, die uns überraschen können. Dabei erwähnt sie sogar mathematische Herangehensweisen, da diese größeres Potential haben, uns Ergebnisse aufzuzeigen, die für uns KEINEN Sinn machen!

Der “Schwarze Schwan” einer möglichen Finanzkrise wurde bereits vor dem September 2008 gesehen. Die berechnete Wahrscheinlichkeit war 0,00000000000000000000007. Bei so einer geringen Wahrscheinlichkeit hilft weder Strategische Planung noch Risiko Management. Das einzige, was da hilft ist nur noch der Aufbau von Abferderungsvermögen (Resilience building) für Unerwartetes.

Um den geringen Impact der Gestaltungmöglichkeit von Österreich zu demonstrieren, stellte Sie das österreichische Bruttoinlandsprodukt, dem verwaltetem Vermögen vom weltweit größten Vermögensverwalter BlackRock gegenüber. (Anmerkung: Wirkte als Grafik auf den Folien beeindruckend, nach dem ich die Zahlen überprüft habe, nicht mehr so stark. GDP 2013 von Österreich 430 Milliarden USD zu AUM 2015 von BlackRock 4.770 Milliarden USD.)

Frau Dr. Leena Ilmola-Sheppard “Bullshitt”-Vorlage war für den nächsten Keynote Redner eine merkliche Überraschung gewesen. Denn er stellte genau diese Herangehensweise vor, die sie für sich verworfen hatte: Technikzukünfte als Medium gegenwärtiger Technikgestaltung. Wer hätte damit gerechnet? Jedenfalls verschwand Frau Dr. Leena Ilmola-Sheppard direkt nach ihrer Rede von der Konferenz und wurde nicht mehr gesehen. Das enttäuschte mich, da ich mich auf ein gemeinsames Gespräch freute.

Mir hat die TA-15 Konferenz sehr gut gefallen. Neben vielen guten Gesprächen mit kompetenten Gesprächspartnern, hat sie mir Einblicke ermöglicht, wie das Thema Technikfolgen Abschätzung erforscht wird. Überrascht war ich, dass dies scheinbar mit sehr geringer Verbindung zur Industrie statt findet, dafür um so mehr in Verbindung mit dem politischen System. Hierfür wurden mir auch Gründe genannt: Firmen möchten meistens nicht, dass die Forschungsergebnisse veröffentlicht werden. Des Weiteren ist die Unabhängigkeit der freien Forschung nicht immer gegeben. Auf der anderen Seite ist es das politische System, das hauptsächlich die Gelder für die Forschung bereitstellt. Deshalb steht der Geldgeber im Fokus: Beraten werden in erster Linie Politiker und deren Institutionen und es wird Wert auf eine gute Beziehung gelegt.

Ich lasse mich überraschen, welche Synergien sich mit meinen neuen wissenschaftlichen Freunden ergeben werden. 

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