Weitere begriffliche Abgrenzungen

 

Entscheidungstheorie = Sicherheit | Risiko | Ungewissheit | Nichtwissen
Nichtwissen erweitert die Konzepte der Entscheidungstheorie (Sicherheit, Risiko und Ungewissheit) um das Konzept der Entscheidungsfindung unter Nichtwissen:
Entscheidung unter Sicherheit: Die eintretende Situation ist bekannt. (Deterministisches Entscheidungsmodell)
Entscheidung unter Risiko: Die Wahrscheinlichkeit für die möglicherweise eintretenden Situationen ist bekannt. (Stochastisches Entscheidungsmodell)
Entscheidung unter Ungewissheit: Man kennt zwar die möglicherweise eintretenden Situationen, allerdings nicht deren Eintrittswahrscheinlichkeiten.
Entscheidung unter Nichtwissen: Die möglicherweise eintretenden Situationen sind nicht bekannt. 
 



Wissenssoziologie = Irrtum | Nichtwissen
Peter Wehling hält es für wichtig, innerhalb der Wissenssoziologie zwischen Irrtum und Nichtwissen zu unterscheiden:
 
Wissenssoziologie = Irrtum | Nichtwissen 
Irrtümer stellen eine Form des Wissens dar. Für den Beobachter 1. Ordnung erscheint ein Irrtum wie Wissen, ein Beobachter 2. Ordnung kann einen Irrtum vom 1. Beobachter aufdecken. (Beobachter 2. Ordnung ist ein Beobachter, der einen Beobachter 1. Ordnung beobachtet.) Damit ist aber noch nicht sichergestellt, ob sich beide Beobachter darauf verständigen können, was Wissen und was Irrtum ist. 
 
Wissenssoziologie = Irrtum | Nichtwissen
Nichtwissen wird von Peter Wehling in Wissen | Intentionalität | zeitliche Stabilität unterschieden. 
=> Wissenssoziologie = Irrtum | (Nichtwissen = Wissen |Intentionalität | zeitliche Stabilität)
 
Die retrospektiven Erkenntnisse von Irrtümern und das Ent- und Aufdecken von Nichtwissen haben unterschiedliche Verlaufsformen. 
 



Noch-Nicht-Wissen und Nicht-Wissen-Können
Peter Wehling hebt die zeitliche Stabilität von Nichtwissen als eine besondere Unterscheidungsdimension für die wissenssoziologischen Untersuchungen hervor. Es geht dabei um die zeitliche Dauer und Stabilität von Nichtwissen. Es geht um die Möglichkeit und Unmöglichkeit, Nichtwissen in Wissen zu verwandeln. Dabei unterscheidet er zwischen Noch-Nicht-Wissen und Nicht-Wissen-Können:
 
Noch-Nicht-Wissen 
Es handelt sich dabei um bekanntes Nichtwissen, das durch Lernen und Forschen in Wissen umgewandelt werden kann. 
 
Nicht-Wissen-Können (Ulrich Beck)
Dabei handelt es sich um bekanntes als auch unbekanntes Nichtwissen. Nicht-Wissen-Können ist ein zeitlich stabiles Nichtwissen, dass lange oder überhaupt nicht in Wissen überführt werden kann.
Peter Wehling sammelt mehrere Beispiele:
 
Erscheinungen (Phänomene)

  • Wandel des Erbgutes: Biologische Systeme sind selbstschaffende Systeme und damit nicht berechenbar. 
  • chaotische Systeme: Obwohl es sich bei chaotischen Systemen um determinierte Systeme handelt, kann man in bestimmten Bereichen keine Voraussage machen, was das Ergebnis sein wird. Determinierte Systeme sind mathematisch beschreibbar, da Ursache und Wirkung bekannt ist. Bei minimalsten Änderungen der Anfangsbedingungen führen sie jedoch zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Das Nichtwissen besteht hier in der Festlegung oder in der Unmöglichkeit der exakten Anfangsbedingung, welches als Unvorhersehbarkeit der Ergebnisse erfahren wird. Beispiel Doppelpendel: http://www.leifiphysik.de/themenbereiche/deterministisches-chaos/doppelpendel

 
Struktur unseres Wissens und Erkennens

  • Verständnisproblem (Hermeneutik): Ungenauigkeit und Mehrdeutigkeit der Sprache
  • Unbewiesene Grundannahmen (Axiome): Innerhalb eines Axiomensystems, wie in der Mathematik und Logik gibt es wahre Aussagen, doch sie bauen alle auf unbewiesenen Grundannahmen auf. 
  • Logischer Widerspruch: Gödelscher Unvollständigkeitssatz: Auch in einem nicht falsifiziertem System von Axiomen gibt es immer wenigstens ein Theorem, das innerhalb dieses Systems weder bewiesen noch widerlegt werden kann.
Schlagwörter: